Link verschicken   Drucken
 

Schulhundkonzept

Konzeption eines Schulhundprojektes

an der Janusz-Korczak-Grundschule, GGS Much-Marienfeld

 

1. Einführung

 

2. Positive Auswirkungen beim Einsatz eines Schulhundes

2.1 Förderung der Lernatmosphäre

2.2 Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen

2.3 Individuelle Förderung

2.4 Praxisbeispiele

 

3. Voraussetzungen für den Einsatz eines Schulhundes

3.1 Rechtliche Voraussetzungen

3.2 Wesensvoraussetzungen

3.3 Hygienische und gesundheitliche Vorsorge

3.4 Praktische und informative Voraussetzungen

 

4. Hündin Nala als Schulhund im Klassen- und Fachunterricht

an der Janusz- Korczak-Grundschule

4.1 Die Ausbildung der Hündin Nala

4.2 Möglichkeiten des Einsatzes

4.3 Erste Erfahrungen

 

Literatur

 

 

1. Einführung

Aufgrund enormer gesellschaftlicher Veränderungen unserer Zeit muss auch Schule neue Wege gehen. Sie muss mehr leisten als bloße Wissensvermittlung, weil sie inzwischen neben der Familie zu einem wichtigen Sozialisationsort für Schülerinnen und Schüler geworden ist. Der Einsatz von Tieren in der pädagogischen Arbeit kann ein solcher neuer Weg sein.

 

Der Hund ist das älteste Haustier des Menschen. Seine Domestifikation begann vor ca. 15000 Jahren und war ausgerichtet nach den Bedürfnissen des Menschen. Haustiere sind in der Lage, durch ihre Anwesenheit und die unvoreingenommene Zuwendung dem Menschen gegenüber dessen Wohlbefinden zu steigern. Allein durch die Gegenwart eines Schulhundes kann die Lernatmosphäre im Schulalltag positiv beeinflusst werden. Die Schülerinnen und Schüler erfahren im Rahmen „tiergestützter Pädagogik“ eine ganzheitliche Entwicklungsförderung. Insbesondere Schülerinnen und Schüler mit körperlichen, geistigen oder emotionalen Beeinträchtigungen können gezielt von dem therapeutischen Einsatz eines Schulhundes profitieren.

Die "hundgestützte Pädagogik" ist der systematische Einsatz von ausgebildeten Hunden in der Schule. Der Hund unterstützt den Lehrer bei dessen Erziehungs- und Bildungsauftrag. Der Umfang und die inhaltliche Gestaltung variiert von der reinen Anwesenheit des Hundes bis zur aktiven Teilnahme am Unterricht.

 

2. Positive Auswirkungen beim Einsatz eines Schulhundes

 

„Therapiehunde tragen keinen weißen Kittel, stellen keine Anforderungen und haben keine Erwartungshaltung. Sie nähern sich unvoreingenommen und akzeptieren jeden Menschen ohne Vorurteile. Sie schenken Vertrauen und sind (…) vertrauenswürdig. Sie vermitteln Nähe, Sicherheit und Geborgenheit. Sie reagieren sensibel auf Stimmungen und Gefühle. Sie motivieren zum Leben.“ [8]

 

Zahlreiche Studien belegen, dass immer mehr "Schulhunde" im Rahmen der „tiergestützten Pädagogik“ Lehrer in die Schulen begleiten und eine positive Wirkung auf den Menschen ausüben können. "Empirische Studien belegen, dass der Einsatz von Schulhunden eine wirkungsvolle Ergänzung zum konventionellen Unterricht darstellt". [4]

 

2.1 Förderung der Lernatmosphäre

 

Das Lernen mit Tieren ist eine "besondere Form des sozialen Lernens" [5], dessen positive Wirkeffekte bereits in diversen Studien belegt wurden. Neben den physiologischen und psychologischen Wirkungen erzielen Hunde im Zusammenleben mit den Menschen vor allem auch positive soziale Wirkeffekte. „Nicht nur das Streicheln eines Tieres, sondern bereits die bloße Präsenz eines Tieres hat stressreduzierende Wirkung. Hunde können allein durch ihre Anwesenheit die Lernatmosphäre im Klassenzimmer positiv verändern. Das stressfreiere Unterrichtsklima führt bei Lehrkräften und Schülern zu einer höheren Zufriedenheit und kann zur Steigerung des Lernerfolges beitragen“ [6].

Im Bereich „Lern- und Arbeitsverhalten“ kann der Schulhund lärmpräventiv wirken und Einfluss haben auf Sorgfalt und Ordnung, Selbständigkeit, Lern- und Anstrengungsbereitschaft, Ruhe und Entspannung, Verringerung der Aggressionsbereitschaft, Eigenverantwortung sowie planvolles, strukturiertes Handeln. [3]

 

2.2 Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen

 

Hunde gelten als verlässliche, treue Partner, sind geduldige, nicht wertende Zuhörer und bilden Anknüpfungspunkte für Gespräche. Sie geben das Gefühl, um seiner selbst willen akzeptiert und angenommen zu werden, vermitteln Geborgenheit und Unbefangenheit und bereiten Spaß und Freude im Umgang mit ihnen. Kindern werden Körperkontakt, Berührungen und der Austausch von Zärtlichkeit ermöglicht und der Zugang zur Natur näher gebracht. Die Fürsorge für ein anderes Lebewesen gibt das Gefühl, gebraucht zu werden und selbst für jemanden elementar wichtig zu sein. Hunde fördern bei Kindern das Selbstwertgefühl, die Persönlichkeitsentwicklung, das Sozialverhalten (Empathie, Rücksichtnahme, Akzeptanz von Regeln und Grenzen, Zurückstellung eigener Bedürfnisse), die nonverbale Kommunikation, die Selbsttätigkeit und Aktivität die Sinneswahrnehmung, die motorische und kognitive Entwicklung und das Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein. Diese Aspekte tragen dazu bei, wichtige Kompetenzen in verschiedenen Lern- und Entwicklungsbereichen der Schüler zu fördern. [3]

 

2.3 Individuelle Förderung

 

Der Umgang mit einem Hund kann die visuelle, taktile, auditive, propriozeptive, vestibuläre oder olfaktorische Wahrnehmung in Bezug auf Wahrnehmungs-qualität und Wahrnehmungsdifferenzierung positiv beeinflussen. [3]

Mit gezielten Übungen kann auch im motorischen Bereich an den Bereichen Grobmotorik, Feinmotorik, Veränderungen in Tonus und Haltung, Koordinationsfähigkeit, Handlungsplanung und Handlungssteuerung gearbeitet werden. [3]

Diesbezüglich ist besonders im Umgang mit Kindern mit sonderpädagogischen Förderbedarfen der Einsatz des Schulhundes gut vorstellbar.

2.4 Praxisbeispiele

 

Dieser Abschnitt nennt Einsatzbeispiele eines Schulhundes. Diese einzelnen Praxisbeispiele entstammen einem Gespräch mit der Schulhundhalterin Frau Tina Fach aus der GGS Overath. Sie können einen Eindruck der Einsatzmöglichkeiten bieten und haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Der Hund im Klassenraum/Einbindung in der Schulalltag: Schon durch die bloße Anwesenheit kann sich die Lernatmosphäre im Klassenraum positiv verändern. Die SuS haben im Vorfeld einiges über die Sinne des Hundes gelernt und wissen, was sie dürfen und was nicht, sobald ein Hund mit im Klassenzimmer ist. Man könnte ein Begrüßungsritual einführen. Täglich dürfen beispielsweise 4 Kinder den Hund begrüßen, ihm eventuell ein Kommando geben und ihn entweder aus der Hand, vom Oberschenkel oder vom Löffel mit einem Leckerli belohnen. So wird der Hund in das Morgenritual mit eingebunden.
  • Der Hund in der Lesestunde: Der Hund hört einem Kind beim Lesen zu, wobei die Hundehalterin in der Nähe ist. Dies wäre in einem separaten Leseraum wie z.B. der Bücherei sinnvoll, aber auch in einer Klassennische möglich. Die beruhigende Wirkung hilft Hemmungen abzubauen und Stottern, Räuspern oder Stocken zu vermindern. Ein Hund geht wertfrei mit dem Kind um, das gibt Bestätigung. Dafür muss der Hund zuverlässig sitzen oder liegen können und den Eindruck des Zuhörens erwecken. Diese Fähigkeiten werden in der Schulhundausbildung trainiert.
  • Der Hund im sonderpädagogischen Einsatz: Je nach Stundentafel und Möglichkeit kann die Schule eine Förderstunde für Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf einrichten. Hierbei ist unbedingt darauf zu achten, dass die Gruppe nicht zu groß ist und das Tier nicht überfordert wird. Denkbar wäre es, eine Kleingruppe mit bis zu drei Kindern zu bilden, die große Konzentrationsschwierigkeiten haben. Diese lernen mit und mit, dem Hund klare Kommandos zu geben. Dafür müssen sich diese SuS auf ihre Haltung und ihren Spracheinsatz konzentrieren, um bei dem Hund die gewünschte Reaktion hervorzurufen. Das Kind erfährt positive Bestärkung durch die erwünschte Reaktion des Hundes wobei es selbst eine große Konzentrationsleistung erbracht hat.
  • Der Hund in Arbeitsphasen, bei denen starke Konzentration gefordert ist: Dies wäre möglich in Kleingruppen mit Kindern, die genau damit Probleme haben, aber auch in der Großgruppe, wenn ein umfangreicher Arbeitsauftrag erteilt wurde. Wenn ein Kind nun direkt und leise mit dem Arbeitsauftrag beginnt erhält es einen Stern/einen Token. Wenn es konzentriert und zügig arbeitet erhält es einen zweiten Stern/Token. Nach der Arbeitsphase erhalten alle Kinder mit zwei Sternen/Token ein Leckerli. Es wird ein Kreis gebildet und der Hund geht herum und fragt ab (prüft) ob ein Leckerli vorhanden ist.
  • Der Hund in einer Agility-Gruppe: Kann die Schule eine Förderstunde einrichten, die sich insbesondere mit Kindern im Förderbereich ES, KM (mit und ohne ADHS/ADS) in Kombination mit dem Schulhund befasst, so wäre eine Agility-AG denkbar. Agility ist eine Hundesportart, die sich mit der Bewältigung von Hindernissen in einer Art Parcours beschäftigt. Die SuS könnten zunächst einmal einen Parcours planen (besprechen, zeichnen) und dann gemeinsam aufbauen. Jetzt sollen sie sich in den Hund hineinversetzen und überlegen, was der Hund hier konkret zu bewältigen hätte, wobei der Parcours ggf. angepasst/verändert wird. Anschließend proben die Kinder die einzelnen Kommandos bis sie diese sicher auswendig können. Nun darf jedes Kind den Parcours mit dem Hund durchlaufen, wobei sicher nicht alles auf Anhieb klappen wird. Dadurch wird die Frustrationstoleranz ausgeweitet. Durch den Umgang mit den anderen Kindern werden weitere soziale Kompetenzen geschult. Im Verlaufe der AG glücken immer mehr Parcoursteile, da die Kinder sich immer besser auf den Hund einstellen. Dadurch erfahren sie positive Verstärkung und eine Steigerung ihres Selbstwertgefühls.
  • Empathie-Training mit dem Hund: Sind die SuS gut geschult im Umgang mit dem Hund und haben die UR zum Thema „Die Sinnes des Hundes“ durchlaufen, beginnen sie sich gegenseitig zu verbessern und zu erziehen im Umgang mit dem Hund. Sie ermahnen sich und andere „Wir müssen leiser sein!“, damit der Hund im Klassenraum bleiben darf. Der Hundehalter kann sich mehr und mehr zurücknehmen. Dieses Verhalten überträgt sich mit der Zeit auch auf die Phasen ohne Hund.

 

 

3. Voraussetzungen für den Einsatz eines Schulhundes

 

3.1 Rechtliche Voraussetzungen

 

Aus der Handreichung über die Rechtsfragen zum Einsatz eines Schulhundes vom Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW geht eindeutig hervor, dass der Einsatz des Tieres durch eine Entscheidung der Schulleitung im Rahmen der schulischen Eigenverantwortung erfolgt (vgl. § 3 Abs. 1 und 2 SchulG), da es sich bei einem Schulhund nicht um ein Lehrmittel im Sinne des § 30 Abs. 1 SchulG handelt, so dass das Tier auch keiner Zulassung nach § 30 Abs. 1 und 2 SchulG bedarf. Desweiteren beschreibt diese Handreichung, dass der Hund und Halter für den vorgesehenen Einsatz in der Schule befähigt sein müssen. Dies kann durch eine passende Hund- und Halterausbildung geschehen. Die Räumlichkeiten müssen artgerecht für den Hund ausgestaltet werden, dies bedeutet beispielsweise, dass der Hund einen Rückzugsort hat.

Wenn die Schulleitung unter Berücksichtigung der schulischen Mitwirkungsgremien über den Einsatz eines Schulhundes im Unterricht entschieden hat, unterliegen die Schülerinnen und Schüler dem gesetzlichen Unfallversicherungsschutz. Darüber hinaus sollte für den Fall etwaig eintretender Sachschäden eine private Hundehaftpflichtversicherung abgeschlossen werden. [1]

Neben der Einwilligung der Schulleitung wurde dem möglichen Einsatz des Schulhundes in der Lehrerkonferenz am 20.02.2017 zugestimmt.

Auch die Schulpflegschaft wurde am 06.03.2017 in das Vorhaben einbezogen und informiert. Sie unterstützt das Schulhundprojekt. Schulträger und Schulamt sind informiert und habe keinerlei Einwände.

 

3.2 Wesensvoraussetzungen

 

Bei dem Hund sollte es sich um eine menschen- /kinderfreundliche Rasse handeln. [1]

 

Charaktermerkmale, die ein Schulhund nach Agsten mitbringen sollte: [7]

  • keine aggressive Ausstrahlung
  • am Menschen orientiert und interessiert
  • mit Hunden verträglich
  • ruhiges, freundliches Wesen
  • gehorsam
  • absolut verträglich mit Kindern
  • sehr geringe Aggressionsbereitschaft
  • empathisch
  • wenig stressempfindlich
  • nicht ängstlich und unsicher
  • kein Herdenschutztrieb

 

Diesen Charaktereigenschaften entspricht die Rasse „Golden Retriever“ in vollem Maße. Und Nala zeigt sich in ihren ersten Monaten als ein typischer Vertreter ihrer Rasse mit allen genannten Eigenschaften.

 

 

 

 

 

3.3 Hygienische und gesundheitliche Vorsorge

 

Zur Reduzierung von Infektionsgefahren muss der Hund über die vorgeschriebenen Impfungen verfügen (Impfkalender) und regelmäßig vom Tierarzt untersucht werden. Vor dem Einsatz des Hundes im Unterricht sind die Eltern nach bekannten Allergien zu befragen. Nach dem direkten Umgang mit dem Hund sind die erforderlichen hygienischen Maßnahmen (Hautreinigung, evtl. auch Raumreinigung) durchzuführen. [1]

Natürlich wird der Schulhund nachweislich regelmäßig tierärztlich untersucht, geimpft, entwurmt und gegen Ektoparasiten behandelt.

Der Schulhund darf den Küchenbereich des Lehrerzimmers und der OGS nicht betreten.

Der Hund wird vor dem Betreten des Schulgebäudes gesäubert. Er hinterlässt im Gebäude nicht mehr Spuren, als die, die auch Menschen durch die Nutzung des Gebäudes hinterlassen. Daher führt die Anwesenheit des Hundes zu keiner Änderung des üblichen Reinigungs- und Desinfektionszyklus.

Die Einsatzklasse des Hundes, sein Liegeplatz sowie Zubehör wie der Wassernapf, das Körbchen, Spielzeug oder Decken werden nach seinem Einsatz stets durch die Lehrkraft oder einen wechselnden Hundedienst gesäubert.

Es wird verstärkt darauf geachtet, dass die Hände regelmäßig vor der Einnahme von Nahrung gründlich mit Reinigungsmittel gesäubert werden. In der Einsatzklasse besteht die Möglichkeit, sich nach einem Kontakt zum Hund jederzeit die Hände zu waschen.

Der Hund frisst und trinkt ausschließlich aus den für ihn vorgesehenen und ausgewiesenen Behältnissen.

Desinfektionsmittel und geeignetes Material zur Entfernung von Ausscheidungen sind in der Einsatzklasse vorhanden.

Es wurde ein Hygieneplan erstellt und beim Gesundheitsamt eingereicht. Dieser kann bei Bedarf eingesehen werden.

 

 

3.4 Praktische und informative Voraussetzungen

 

Die Schulleitung, die Eltern und das Kollegium werden vor dem Einsatz des Schulhundes umfassend informiert. Auch werden sie nach bekannten Allergien befragt, wobei nicht jeder Allergiker auf jedes Hundefell gleich reagiert. Im Einzelfall werden bei einer bekannten Allergie gegen Hunde besondere Maßnahmen getroffen. (Kontaktdistanz zum Hund, häufige Reinigung des Klassenzimmers, Kontaktvermeidung etc.)

Kinder, die eine Hundephobie haben, müssen sehr langsam und behutsam an den Hund herangeführt werden, um ihnen dauerhaft die Angst zu nehmen. Diese Heranführung basiert auf dem Grundsatz der Freiwilligkeit. Das bedeutet, dass ein Kontakt zum Hund, wenn er vom Kind nicht gewünscht wird, auch nicht stattfindet.

Regeln und erarbeitete Rituale im Umgang mit dem Hund stellen eine wichtige Unfallprävention dar. Aus diesem Grund werden Verhaltensregeln gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet.

Die Schülerinnen und Schüler werden auf den Hund – insbesondere sein Verhalten – vorbereitet (Wie begegne ich dem Tier? Wo darf ich das Tier anfassen? Was soll ich vermeiden? …) [1]

Der Hund hat in Klassenraum eine eigene Ecke. In dieser steht ein Käfig oder eine Box. Diese/r ist sein Rückzugsort im Klassenraum. In dem Käfig/der Box befinden sich sein Wassernapf und eine Decke. Vor dem Käfig gibt es ebenfalls einen Liegebereich und eine klare Stopp-Linie, die ein Schüler nur dann überschreiten darf, wenn die Hundehalterin dies klar erlaubt. Ein Käfig/eine Box ist allein deshalb schon sinnvoll, falls es mal eine Ausnahmesituation im Klassenraum gibt, bei dem man die Kinder vor dem Hund bzw. den Hund vor den Kindern schützen muss. Dies könnte beispielsweise bei einem Unfall in der Klasse oder einer unvorhersehbaren Reaktion eines Kindes mit Verhaltensauffälligkeiten der Fall sein. In den ersten Tagen bleibt der Hund auch im Klassenraum an der Leine. Erst wenn das Lehrer-Hund-Team und die Kinder sich sicher fühlen mit der Situation und die SuS die Regeln gut einhalten, kann der Hund in beiderseitigem Einverständnis im Klassenraum von der Leine genommen werden. Dies setzt natürlich gute Gehorsamkeit des Tieres voraus.

 

Außen an der Klassentüre ist über ein entsprechendes Foto deutlich für alle zu erkennen, ob der Hund sich im Klassenraum befindet.

Der Schulhund wird im Gebäude und auf dem Schulgelände in der Regel an der Leine geführt.

 

Regeln für den Einsatz des Schulhundes:

Bereits vor dem ersten Schulbesuch des Hunds werden mit den betreffenden Schülern Regeln erarbeitet, die für den Umgang mit ihm maßgeblich sind. In Form von Plakaten sollen die wichtigsten Regeln auch allen anderen Schülern und Lehrern unserer Schule zugänglich gemacht werden. Die Regeln werden sowohl in Worte gefasst, als auch mittels Symbolen verdeutlicht für Schüler, die noch nicht lesen können.

Es ist überdies sinnvoll in jeder Klasse eine Schulhund-Stunde zu halten, damit alle Kinder der Schule wissen, wie sie richtig reagieren, wenn sie dem Schulhund im Schulgebäude begegnen. In jeder Klasse sollten die wichtigsten Regeln klar sein.

 

Hier folgen die Regeln im Umgang mit dem Schulhund, die in jeder Klasse gut besprochen werden müssen. Da diese jedoch mit den Kindern gemeinsam erarbeitet werden und an den Hund anzupassen sind, stellt die folgende Aufstellung nur die wesentlichen Eckpfeiler im Umgang mit dem Schulhund dar. Die Formulierung der Regel sowie die Darstellungsform ist der jeweiligen Lerngruppe anzupassen.

 

Falls du mir begegnest, beachte bitte folgende Regeln:

1. Sei bitte leise und gehe langsam!

2. Mich darf immer nur ein Kind streicheln! Streichel mich nicht von oben!

3. Frag bitte vor dem Streicheln Frau Fahlenbreder!

4. Nach dem Streicheln immer die Hände waschen!

5. Gib mir ohne Erlaubnis keine Kommandos!

6. Füttere mich nur, wenn Frau Fahlenbreder es erlaubt!

7. Auf meinem Ruheplatz möchte ich nicht gestört werden!

8. Störe mich nicht beim Fressen!

9. Laufe mir nicht hinterher, sondern warte bis ich zu dir komme!

10. Halte mich nicht fest und hebe mich nicht hoch!

 

 

4. Hündin Nala als Schulhund im Klassen- und Fachunterricht an der Janusz-Korczak-Grundschule

 

Hündin Nala ist Frau Fahlenbreders privates Haustier und wird von ihr finanziert und versorgt. Sie setzt ihren Hund ohne zusätzliche Entlohnung ehrenamtlich im Unterricht an der Janusz-Korczak-Grundschule Marienfeld ein. Hündin Nala ist haftpflichtversichert, tierärztlich untersucht, gesund und das Konzept ist allen Gremien vorgestellt worden.

Nala ist eine Golden Retriever Hündin. Durch ihr ruhiges, ausgeglichenes, freundliches Wesen eignet sie sich besonders für „hundgestützte Pädagogik“. Sie wächst im Familienverbund auf und wird artgerecht gehalten. Sie wird bereits als Welpe Einheiten im täglichen Unterricht miterleben um sich an die Atmosphäre in der Schule zu gewöhnen.

 

4.1 Die Ausbildung der Hündin Nala

 

Miss Nala vom Landwehrbach, so lautet ihr vollständiger Name, ist am 01.06.2017 geboren. Sie stammt von einem Züchter der unter den strengen Auflagen des DRC sehr liebevoll und zeitintensiv seine Hunde züchtet. Nala ist eine von 18 Golden Retriever Welpen, die sich zu dieser Zeit beim Züchter befanden. Lange wurden die zwei Würfe beobachtet und der Züchter machte diverse Tests mit ihnen, um die zwei Tiere herauszusuchen, die in Zukunft pädagogisch ausgebildet werden sollen. Nala zeigte sich bereits als kleiner Welpe aufgeweckt, interessiert, jedoch nicht zu stürmisch, sondern eher vorsichtig. Im Umgang mit Kindern ist sie sehr liebevoll aber natürlich auch noch welpenhaft verspielt. Schon beim Züchter wurden die Welpen an alle Alltagsgeräusche und –situationen gewöhnt, so dass sie sehr unerschrocken sind.

Wir als zukünftige Besitzer haben die Würfe sehr oft besucht und unsere Einschätzung der Welpen stimmt mit der des Züchters überein.

Nala zog bei uns am 01.08.2017 mit 8 ½ Wochen ein und zeigte sich vom ersten Augenblick als bindungsstarkes Tier. In unserer Nähe ist sie stets ausgeglichen, sicher und fröhlich. Sie fährt gerne Auto in ihrer Box und schläft auch ruhig in dieser. Die Sauberkeitserziehung lief sehr gut. Sie war nach wenigen Wochen stubenrein. Besuche beunruhigen sie nicht. Sie wirkt stets stressfrei.

Seit ihrer 9. Woche besucht Nala die Welpenschule und seit ihrer 16. Woche die Junghundgruppe. Und bereits zuvor hat sie ihren Namen und ein paar Grundkommandos gelernt.

So beherrscht sie in sicherer Atmosphäre schon „Sitz“, „Platz“ und „Pfötchen“. Auch beginnt sie, gezielt Hundespielzeuge auf „Hol“ zu apportieren.

Sowohl in der Welpenschule als auch Zuhause arbeitet Nala gerade daran, nur an ausgewiesenen Sachen zu knabbern und nicht etwa an Schuhen oder Händen. Hierbei hat sie mit Hilfe der Kommandos „No“ und „Aus“ schon gute Fortschritte gemacht. Sie lernt den Rückruf und das Kommando „Bleib“.

Nala trainiert täglich in mehreren kleinen Einheiten die bereits erlernten und neue Kommandos. Einiges funktioniert auch schon mit mehr Ablenkung. Auch das zugfreie „an der Leine Laufen“ wird täglich geübt.

Nach der Welpenschule wird Nala gezielt auf die Begleithundprüfung vorbereitet. An diese schließt sich eine auf die Schule/Klasse angepasste individuelle Weiterbildung mit einer Hundetrainerin an.

 

4.2 Möglichkeiten des Einsatzes

 

Zunächst begleitet Nala „lediglich“ den Unterricht und beeinflusst dadurch das Klassenklima positiv. Diese Eigenschaft ist nicht zu unterschätzen.

Dem Ausbildungsstand angepasst kann im Folgenden dann ein gezielter Einsatz wie in Punkt 2.4 beschrieben angebahnt werden.

 

 

4.3 Erste Erfahrungen

Seit dem 4. September kommt Nala mit in den Unterricht uns zeigt sich sehr aufgeschlossen, interessiert und ruhig. Die Kinder haben sie sofort in ihr Herz geschlossen. Die wenigen Kinder mit Ängsten konnten diese in den ersten Tagen abbauen. Nala bewegt sich in kleinen Arbeitssequenzen mittlerweile frei im Klassenraum. Die Kinder lernen konzentriert und leise. Zwischendurch schieben wir immer mal wieder ein kleines Spiel mit Nala ein, das bereitet allen große Freude und gibt Motivation für die nächste Arbeitsphase. Großteile ihrer Anwesenheit schläft Nala im Klassenraum, manchmal zurückgezogen auf ihrer Decke, in der Box oder auch mitten im Klassenraum. Sie zeigt keinerlei Anzeichen von Stress. Die Klasse ist durch die Anwesenheit Nalas deutlich ruhiger geworden. Häufig können die Kinder konzentrierter arbeiten, da es leiser ist.

Nach ein paar Wochen der Eingewöhnung haben wir mit und mit auch die anderen Klassen besucht. Auch dort zeigt sie ebenfalls ihr ausgeglichenes Wesen und die Kinder gehen allesamt sehr ruhig und lieb mit ihr um. Ängste konnten größtenteils abgebaut werden.

Wenn SuS ihr auf den Gängen oder dem Schulhof begegnen so müssen sie die „Halstuch-Regel“ beachten. Diese wurde eingeführt, um den kleineren SuS durch ein ganz einfaches optisches Signal eine Handlungsanweisung zu geben. Trägt Nala ein grünes Halstuch so ist sie „im Dienst“. Nach Absprache mit Frau Fahlenbreder darf sie dann angesprochen oder angefasst werden. Trägt sie ihr rotes Halstuch so hat sie „dienstfrei“. Dann soll man sie nicht ansprechen und in Ruhe lassen. Diese Regel ist einfach und wird gut eingehalten.

 

 

 

 

Literatur

  • Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, Handreichung – Rechtsfragen zum Einsatz eines Schulhundes (September 2015) [1]
  • Schulgesetz NRW [2]
  • Vietinghoff, S. von, Ausbildungsunterlagen „Hundegestützte Pädagogik und Therapie“ Dogmentor, 2012 [3]
  • Heyer, Meike / Kloke, Nora: Der Schulhund, 2009 [4]
  • Olbrich, Erhard: Lernen mit Tieren, 2008 [5]
  • Kuntze, Swanette: Einsatz von Tieren im Schulunterricht zur Gesundheitsförderung, 2008 [6]
  • Agsten, Lydia: HuPäsch; Books on Demand GmbH, Norderstedt 2009 [7]
  • Röger-Lakenbrink, Inge: Das Therapiehunde-Team: Ein praktischer Wegweiser, Mürlenbach/Eifel: Kynos 2006 [8]